Startups auch für den Event-Bedarf

Salzburg als Startup-Niemandsland war einmal. Die Region sieht sich inzwischen als Startup-Factory. Etliche der geförderten Jungunternehmen sind auch für Event-Veranstalter spannend.

Mozart lässt grüßen – nur andersrum: Hatte man das junge Genie seinerzeit in der Heimat verkannt und vom fürsterzbischöflichen Hof gejagt, so werden helle Köpfe heute förmlich hofiert. Das erklärte Ziel lautet, Salzburg zur gründerfreundlichsten Region Österreichs zu machen. Es herrscht eine regelrechte Wettbewerbskultur. Seit 2016 bereiten acht Institutionen – allen voran das Land und die Wirtschaftskammer – Jungunternehmern in der Gründungsphase mit Knowhow, Sparrings und Präsentationsplattformen professionell den Boden auf. Einmal im Jahr erhalten fünf bis sieben Projekte, die laut Urteil einer Fachjury den meisten Erfolg versprechen, vom Land ein   Anschubkapital von je 25.000 €. Heuer schüttet man in Summe rund 150.000 € aus, wobei der Betrag mit steigender Startup-Dichte wächst. Vom Staat gibt es pro Unternehmen Risikokapitalprämien von bis zu 50.000 €.

Startup-Blüte trägt erste Früchte

Auch Business Angels sind auf die Salzburger Startup-Szene aufmerksam geworden. So hat der Gründer der Plattform BiLLiTii, die speziell Rollstuhlfahrern Alltagstipps gibt, einen namhaften Risikokapitalgeber bei dem in Österreich vielgesehenen TV-Pitch „Zwei Minuten, zwei Millionen“ auf Puls4   heuer im März spontan überzeugt, sich mit 150.000 €  zu beteiligen.

Pimcore, ein auf Datenmanagement spezialisiertes Startup aus Salzburg, wurde kürzlich vom US-Beratungsmulti Gartner in die „Cool Vendors List“ aufgenommen. Das haben bislang nur ganz wenige Unternehmen aus Österreich geschafft.

Für eine weitere internationale Auszeichnung hat die Idee der Typs GmbH gesorgt, Alpinski maßzuschneidern.  Siegfried Rumpfhuber, ein ehemaliger Weltklasse-Skiläufer und späterer Manager zweier Skifirmen, wurde dafür bei der weltgrößten Wintersportmesse Ispo diesen Februar in München  der  Preis für die Innovation des Jahres verliehen. Unter der Marke „Original+“ verspricht er seinen Kunden das perfekte Paar Alpinski um 600 bis 800 €. Die ein, zwei Skiproduzenten sonst am Weltmarkt, die Ski nach persönlichem Maß fertigen, verlangen bis zu 2.500 € dafür pro Paar. „Wir haben unsere Technologie sehr stark automatisiert und arbeiten mit einer kleinen Manufaktur in der Nähe von Zell am See zusammen“, erklärt Rumpfhuber seinen USP. Der offizielle Markteintritt erfolgt zur kommenden Wintersaison 2018/19.

Lösungen für Buffets und Mobilität

Essen ist keine 0815-Veranstaltung. Wer einen plant, hat das zu bedenken. Rund die Hälfte der Menschen der westlichen Zivilisation  verzichtet inzwischen zumindest zeitweilig auf tierische Produkte, und auch die Nahrungsmittelallergiker werden mehr, von religiösen Motiven wie halál und koscher ganz zu schweigen. In Salzburg hilft seit kurzem easyVegan, diese Anforderungen an ein Catering zu lösen. Das Startup bietet gutes Essen für alle auf Linsenbasis. Nach kleinen Anfängen mit einem Marktwagen beliefert  easyVegan nunmehr Großküchen, Kantinen und Veranstaltungen mit den teilfertig vorproduzierten Speisen auf garantiert pflanzlicher Basis.

Zu Salzburgs hellen Köpfen mit Unternehmerspirit gehört auch der Tischler und angehende Holztechnologie-Master Bernhard Lienbacher. Seine Geschäftsidee, Baumrinde zu natürlichen Kühlern bzw. Warmhaltern von Getränken und Speisen zu verarbeiten, ist eine weitere Lösung für Buffets.  Er hat sie von einem Thailand-Urlaub mitgebracht. Gemeinsam mit Kollegen von der Holzfachhochschule Kuchl hat die Firma barkinsulation gegründet und  eine Presse entwickelt, mit der er unter der Marke „Patronus“ erste Wein- und Bierkühler auf rein ökologischer Basis herstellt. Das Stück kostet 47 € und verkauft sich derart gut, dass das barkinsulation-Team bereits eifrig an Thermoskannen, Trinkflaschen, Glühweinbechern und anderen Gebinden aus Rinde arbeitet.

Mit der Frage, was tun in Salzburg, wenn man im Rollstuhl sitzt oder andere mobile Handicaps hat, beschäftigt sich BiLLiTii. Der Name leitet sich von Ability ab. Das Startup will mithilfe einer kostenlosen Web-Plattform  mobil beeinträchtigte Personen  möglichst uneingeschränkt ins „normale Leben“ integrieren. BiLLiTii gibt Tipps  wie barrierefreie Locations, die besten Orthopäden, Bedienungsanleitungen usw. Finanziert wird der Gratis-Informationsdienst durch Firmen, die Disability-Produkte anbieten oder einfach als Sponsoren helfen wollen.  BiLLiTii-Gründer Horst Eckstein ist selbst Betroffener: Der 38-jährige Ex-Skirennfahrer lebt seit einem Mopedunfall mit 16 mit einem gelähmten rechten Arm.

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