Salzburg fährt „Cool City“ Programm

Die barocke Altstadt, Trachtenkult und Klassikfestspiele sind nicht das ganze Salzburg. Die Stadt ist genauso Vorreiterin bei Digitalisierung und Energieeffizienz. Das bringt‘s auch für seine Tagungs Gäste.

Die Devise lautet „Cool City“. Gemeint sind flächendeckendes Gratis Wlan ebenso wie sämtliche Informationen der Stadt online und das Planungsprinzip Umweltschutz. „Wir wollen Zukunft haben nicht nur bei Touristen, sondern bei der einheimischen Jugend. Die Jungen sollen Salzburg nicht alt finden und abwandern, sondern als innovatives Pflaster mitgestalten“, sagt der Leiter des Stadtmarketings Jochen Höfferer.

Das bekommt auch der (Tagungs-)Gast mit. Wlan funktioniert lückenlos und kostet nichts; überall wird Rad gefahren, es gibt coole Lokale, coole Parties, Sub- und Avantgardekultur, ohne dass man lange suchen muss. So soll Salzburg nicht das Schicksal anderer UNESCO Welterbestädte wie Venedig erleiden, die mehr Freilichtmuseen als Orte pulsierenden urbanen Lifestyles sind. „Wir wollen für die Einheimischen lebens- und wohnenswert bleiben“, formulieren es Stadtverantwortliche.

Best practice bei Energie und Transparenz

Salzburg war in Österreich Vorreiter bei Digitalisierung und Energieeffizienz. Die größte Sporthalle der Stadt - die Halle Liefering - kann es sogar mit internationalen Plusenergie Sportstätten wie dem Weserstadion in Bremen (Deutschland) aufnehmen. Als erstes Sportgebäude erhielt sie 2016 Österreichs höchste Klimaschutz Auszeichnung, den klimaaktiv Goldstandard. Hierfür muss sie in der Gesamtbewertung von Planung, Baustoffen, Energie und Raumqualität dem Top-Stand der Technik entsprechen.  Die Halle erzeugt solar, mit Erdwärme und Baukernaktivierung mehr Energie als sie verbraucht. So heizt und kühlt die Sporthalle den nahegelegenen Bauhof der Stadt mit und bringt durch Stromverkauf jährlich 80.000 € ein.

Laut dem 2012 verabschiedeten Smart City Masterplan 2025 müssen bei allen Baumaßnahmen der Stadt die Kosten für den gesamten Lebenszyklus berechnet werden. „In der Vergangenheit hat man die Energiekosten einfach hingenommen, jetzt entscheiden sie die Planungsvergaben“, erläutert Smart City-Koordinator Franz Huemer. Salzburg ist damit nicht mehr einzigartig; andere wie Wien, Graz, Innsbruck und Villach hätten die Life Cycle Cost Betrachtung übernommen, sagt Huemer.

Ähnliches gilt für die Veröffentlichung der städtischen Finanzen. Als erste Stadt in Österreich stellte Salzburg vor Jahren alle Budgetdaten – Einnahmen, Ausgaben, Subventionen – online. „Bei Budgettransparenz setzen wir nach wie vor Standards“, meint Digitalisierungs Projektleiter Höfferer. Immer wieder werde er eingeladen, bei Tagungen drüber zu referieren als Bestpractice Beispiel, etwa vom Bundesrechenzentrum in Wien. An ein halbes Dutzend Kommunen in Mitteleuropa habe Salzburg die entsprechende Software verkauft, und laufend kämen neue Interessenten dazu.

Leuchtturmprojekte

Zur digitalen Verwaltung hat die Stadt beim 1.Webkongress im Mai 2017 fünf weitere Leuchtturmprojekte definiert. Die Freizeit App „venuzle“ läuft bereits. Damit können Sportstätten und Freizeitanlagen flächendeckend elektronisch gebucht und abgerechnet werden – von Sporthallen über Yogazentren bis zur Tanzhalle. Mit „Digi Cafes“ will die Stadt ab Herbst 2018 in Seniorenheimen Webkompetenz vermitteln. Ein Beispiel ist digitale Ahnenforschung.

Radhochburg

Auch wenn es kritische Beobachter anders sehen, ist Salzburg eine Radhochburg. Im Schnitt fährt jeder fünfte Verkehrsteilnehmer hier im Alltag mit dem Rad. Dieser Anteil von zwanzig Prozent am Gesamtverkehr ist neben Innsbruck und Bregenz der höchste in Österreich. Wien kommt auf sieben Prozent regelmäßige Radfahrer. Freilich, zu Welthauptstädten des Radverkehrs wie Kopenhagen, Eindhoven und Oldenburg, wo im Jahresschnitt mehr als 40 Prozent des Stadtverkehrs geradelt werden, fehlt es beträchtlich. Besonders beliebt in Salzburg sind die Radwege an den beiden Salzachufern durch die Stadt. Mit dem Ausbau des Netzes auf ein ähnliches schnurgerades Vorrang-Niveau wollen die Smart City Verantwortlichen stetig aufholen. Dasselbe gilt beim Öffi Anteil und beim Carsharing. Es solle gelingen, „coole“ Lebenslust ganz selbstverständlich mit ökologischem Bewusstsein zu verbinden, meint Smart City Motor Huemer.

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