Eugen Trinka lässt die Neurologie-Szene nach Salzburg blicken

Mit Eugen Trinka sitzt eine Gehirnkoryphäe in Salzburg. Seine Erkenntnisse zur Heilung von Migräne, Epilepsie, Gehirnschlag, Demenz und Multipler Sklerose sind auf Kongressen rund um den Globus gefragt.

Immer wieder holt der hiesige Neurologie-Chef und Präsident der Österreichischen Epilepsie Gesellschaft die Fachelite auch nach Salzburg. In unserem Gespräch ruft das ehemalige Sport-Ass die Verantwortlichen seiner Heimatstadt auf, die Wettbewerbsvorteile des Tagungsorts noch auszubauen.

Eugen Trinka strahlt auf den ersten Blick hohe Qualitätsansprüche aus. Gepflegt und stattlich in Erscheinung und Umgang, klar und geradeheraus in seinen Aussagen: Da weiß man in der Sekunde, wen man vor sich hat.

Im Gespräch mit #meetSalzburg öffnet die weltweite Autorität auf dem Gebiet der Neurologie umgehend die zwei Seelen in seiner Brust. „Salzburg hat hohes Potenzial als Tagungsort bei meiner Kollegenschaft. Jeder weiß, dass es die Mozart-Stadt ist, dass sie wunderschön ist. Aber ich tue mir schwer, die bei uns üblichen Veranstaltungen mit über tausend Teilnehmern herzubringen“, sagt der Vorstand der Universitätsklinik und Dekan für klinische Angelegenheiten der Paracelsus Universität Salzburg. Die Lösung wäre ein größeres Kongresszentrum in zentraler Lage mit entsprechender Top-Hotelanbindung. Auch Veranstaltungsräume der Universität und der Klinik könnte man ausbauen, empfiehlt Trinka, seines Zeichens auch Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie und der Europäischen Liga gegen Epilepsie. „Meine nationalen Epilepsie-Kongresse veranstalte ich am liebsten in Salzburg. Die zentrale Lage und das Ambiente sind hier über Wien zu stellen“, meint Professor Trinka. 

 

Karriere fast aus dem Nichts 

Was der Nervenarzt und Psychiater nicht dazusagt: Dank seiner Arbeit gilt Salzburg als internationale Hochburg speziell in Sachen Epilepsie. Die laienhaft als „Fallsucht“ und „Krampfleiden“ bezeichnete Gehirnerkrankung ist sein Leibfach. Ein Gutteil seiner 430 wissenschaftlichen Publikationen und mehr als 5.000 Zitierungen gehen auf dieses Konto. Daneben hat sich der Neurologe auch auf den anderen Gehirnthemen einen exzellenten Namen gemacht, wie Schlaganfall, Demenz, Multiple Sklerose und Migräne. Weltweite Vortragseinladungen sowie laufende Auszeichnungen in Europa und den USA zeugen von der Expertise, die mehr als ein Drittel der Menschheit betrifft. Schlaganfälle sind nach Herzleiden die weltweite Todesursache Nummer zwei.  

Dem am 19. Oktober 1963 geborenen Eugen Trinka war diese Karriere beileibe nicht in die Wiege gelegt. Als Kind einer Lehrerin wuchs er in Salzburg auf ohne fließend Wasser in der Wohnung. Seine Vorfahren kamen aus allen Teilen der k.k.Monarchie. „Ich bin eine Monarchie-Mischkulanz“, sagt der Salzburger mit böhmischem Familiennamen. Vieles rundet sich in seiner Persönlichkeit: Der Großvater, den er besonders verehrt, war Ingenieur und wegen Fluchthilfe im Nazi-KZ. Sein leiblicher Vater ist Bildhauer und Restaurator. Von den Beiden dürfte er das Talent zum Kreativen und zur Unerschrockenheit haben. Eine Großmutter war psychiatrische Krankenschwester in Wien, und von seiner Mutter dürfte er den Sinn für Eleganz und das Didaktische haben.

Trotz Armut durfte Klein-Eugen aufs Akademische Gymnasium Salzburg. „Andere trugen dort neueste Mode und schöne Schuhe - ich nicht“, erinnert er sich. Dafür maturierte Eugen Trinka mit Auszeichnung. Und er war ein Vorzeigesportler. Seine Bestleistungen über 100 Meter (11,2 Sekunden), Hochsprung (zwei Meter) und Weitsprung (sieben Meter) bescherten ihm erste Preise. Auch seine Kämpfernatur hat er dabei ausgeprägt. „Ich beiß‘ mich durch, gebe nicht so schnell auf“, meint Eugen Trinka.

 

Mann für alles

Das Interesse für die Medizin vom Gehirn reifte im Gymnasium. „Wie unser Gedächtnis funktioniert, hat mich fasziniert“, sagt Trinka. Geschichte war sein zweites Faible. Zum Studium übersiedelte er an die Med-Uni Wien. Dort durfte er mehrere Herausforderungen bewältigen, nämlich Studium, Geldverdienen und Kind. Denn Eugen Trinka war 22, als Sohn Matthias auf die Welt kam. Der inzwischen diplomierte Eventmanager lenkt von Berlin aus Top-Musikbands wie „Bilderbuch“. Der Vater sagt‘s hörbar stolz. Er selbst schloss sein Studium trotz Mehrfachstress in Normaldauer ab und war der erste Mediziner in der Familie.

Geldverdienen war weiter vordringlich. Deshalb nahm der frischgebackene Arzt eine Stelle als Pfleger in Schladming an. Da war er Mann für alles und besser bezahlt als Jungärzte obendrein. Auch an den folgenden Ausbildungsstationen zum Neurologen und Psychiater fiel Doktor Trinka als zupackend auf. 1998 ging er für ein Jahr an die Klinik von Montreal in Kanada zu Epilepsie-Papst Frederick Andermann. 1999 folgte er dem Ruf an die Neurologie der Uni-Klinik Innsbruck. Dort sollte er es rasch zum Epilepsie-Chef bringen. In der Zeit machte er auch das Gesundheitsmanager-Diplom. „Um ein Spital zu leiten, braucht es neben dem Handwerkliche eine gesundheitspolitische Sensibilität“, ist Trinka überzeugt. An der Uniklinik Innsbruck lernte er auch seine heutige Frau kennen, ebenfalls eine Neurologin und wie er heute an der Christian-Doppler-Klinik Salzburg beschäftigt. Mit ihr hat er zwei schulpflichtige Kinder.

 

Morgenarbeiter und Abendkoch

Bohrt man bei Eugen Trinka nach dem Menschen jenseits des Mediziners, Wissenschafters und Klinikleiters, stößt man auf Erstaunliches. So liebt er es, abends daheim fein zu kochen und zu dinieren. „Mein Lieblingsplatz ist am Herd zuhause“, bekennt er. Das Erstaunliche dran ist nicht nur die Vorstellung von Trinka in Kochschürzen, sondern auch, wie er sich schlank hält. „Das ist alles Kopfsache“, verrät er nur. Bis zu 30 Leute hat er schon bekocht. Die Künste reichen dabei von altösterreichisch bis französisch. Um 5:30 Uhr ist Tagwache, um am Schreibtisch zu arbeiten, egal wie üppig der Abend war. In der Salzburger Altstadt, am Mönchsberg und dem Leopoldskroner Weiher kann man ihn als Spaziergänger antreffen, und wenn’s den Oldtimer-Jaguarfahrer privat rauszieht, dann am liebsten an den Matt- und den Wallersee. „Dann sag ich mir immer, ach wie ist Salzburg schön!“ 

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